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Experimentieren und Ausdauer

Ok, das war eine Woche bei ›Salomon’s Porch‹.

Bei unserem Sonntagabend Gottesdienst bist du in eines unserer Sofas gesunken und hast gelernt wie und warum wir unsere Gottesdienste interaktiv und ganzheitlich machen.

Du kamst zu unserer Jogaklasse und hast unsere Achtung für die physikalischen Dimensionen von Anbetung und Leben in Jesus miterlebt.

Am Dienstag warst du Teil der Bibeldiskussion in der unsere Predigten Gestalt annehmen und hast erlebt, wie wir die Lehrautorität im Gespräch teilen.


Du hast unsere Gastfreundschaft beim Abendessen am Mittwoch erfahren und gehört dass dies Teil unseres Reich-Gottes-Lebens ist.

Am Donnerstag warst du bei der Bibel-Studien-Gruppe dabei und sahst, wie ›Salomon’s Porch‹ Glaubensentwicklung praktiziert: wie ein Tango aus Information, Hoffnung, Erfahrung und Gnade.

Am Freitag bist du einen Kreuzweg gegangen, zu dem junge und ältere ›Porcher‹ etwas von ihrer Kreativität beigetragen hatten.

Am Samstag hast du über Dienst an unserer Gemeinschaft, unseren Nachbarn und der Welt nachgedacht, und gesehen wie uns Schweiß, Sorgen und sogar ein Snoopy aus Plastik an einen Ort praktischen Glaubens führen.

›Salomon’s Porch‹ ist eine Gemeinschaft von Menschen die nicht alle Antworten haben, sie nehmen Risiken in Kauf und machen Fehler während sie gemeinsam die Berufung des Reiches Gottes leben.

Und nun wo sich der Kreis wieder am Sonntag schließt, hoffe ich, dass du ein Gespür für ›Salomon’s Porch‹ bekommen hast, als eine Gemeinschaft in der Menschen die nicht alle Antworten haben, auf dem Weg zusammen die Berufung des Reiches Gottes zu leben, Risiken in Kauf nehmen und Fehler machen.

Was uns ausmacht ist es, wie ich am Anfang gesagt habe, über Bildung als hauptsächliche Form der geistlichen Entwicklung hinauszugehen. Logischerweise kommen deswegen immer wieder Menschen mit Fragen auf uns zu: Sie wundern sich, ob das was wir machen eine trendige Reaktion auf eine Kirche ist, die zu ihrem Zeitpunkt einen Gegenschlag erfahren wird – oder sind daran interessiert, ob das was wir machen sich in den Finanzen und dem Gemeindewachstum auszahlt.

Wie ich darauf antworte? „Keine Ahnung, und ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht wirklich.“

Was in unserer Situation interessiert, ist unsere Bereitschaft zu experimentieren und zu versuchen Ausdrücke des Glaubens zu entwickeln, die aus unserer Zeit und Situation kommen, und dabei zu wissen, dass unsere Bemühungen in der Zukunft angepasst und verändert werden müssen.

Was in unserer Situation interessiert, und davon werde ich immer mehr überzeugt, ist unsere Bereitschaft zu experimentieren und zu versuchen Ausdrücke des Glaubens zu entwickeln, die aus unserer Zeit und Situation kommen, und dabei zu wissen, dass unsere Bemühungen in der Zukunft angepasst und verändert werden müssen. Es interessiert mich nicht ob es irgendwo Menschen gibt, die in 15 Jahren immer noch unsere Lieder singen oder auf unseren Sofas sitzen (ich hoffe, dass sie ihre eigenen Lieder singen und herausfinden welche Sitzgelegenheiten zu ihnen passen). Ich hoffe, dass es der Geist des Entdeckens, Suchens und Riskierens ist, der zukünftige Generationen inspirieren wird. Unsere Aufgabe denen gegenüber, die nach uns kommen, ist es ein Erbe des Glaubens und nicht ausgetüftelte Programme zu hinterlassen. Während wir von der weiten Gemeinschaft der Glaubenden begleitet werden, die diejenigen einschließt, die vor uns da waren, müssen wir Menschen der Zukunft sein – Menschen, deren Wege der geistlichen Entwicklung und des Lebens mit Gott sich so verändern können und wachsen, dass sie den Bedürfnissen unserer, sich verändernden Welt begegnen können. Wir nehmen diese Anpassungsfähigkeit bei Kommunikation, Fortbewegungsmitteln, Medizin und unseren Gardaroben als selbstverständlich hin. Wie viel wichtiger ist sie aber im Bereich unserer Glaubensentwicklung?

Unsere Aufgabe denen gegenüber, die nach uns kommen, ist es ein Erbe des Glaubens und nicht ausgetüftelte Programme zu hinterlassen.

Manche regen sich über den Gedanken nach vorne zu denken und mit der Kultur im Austausch zu stehen auf, da es sich für sie so anhört, als würde ich vorschlagen dass wir es der Kultur erlauben sollten Gemeinde zu formen, und bei diesem Gedanken gehen bei ihnen alle Warnsignale an.

Der Gedanke geistliche Entwicklung alleine auf die Vergangenheit zu beziehen, entspricht nicht dem Ruf des Reiches Gottes. Wieso? Lass es mich folgendermaßen erklären:

Werden wir uns der harten und kostspieligen Arbeit stellen handgefertigten Glauben in unseren Tagen zu leben, oder sind wir damit zufrieden aus dem Erbe unserer Vorfahren zu schöpfen, welches wir mit billigen Imitaten auffrischen?

Vor kurzem habe ich mich mit meiner Frau darüber unterhalten Möbel für unser Haus zu kaufen. Wir wollen dafür keine Unsummen an Geld ausgeben, es ist uns aber wichtig, dass die neuen Möbel mindestens genau so stabil sind wie die Antiquitäten die wir jetzt haben. Ich habe Shelly gegenüber erwähnt, dass es mich nervt wenn Menschen sich darüber beklagen, dass Möbelhersteller keine guten Möbelstücke mehr herstellen. Ich denke einfach nicht, dass das wahr ist. Es gibt heute genauso viele gute Möbel wie früher – heute erscheinen sie uns jedoch als zu teuer, da wir viel mehr Möglichkeiten haben billiger einzukaufen als früher. Wir könnten mit einem Schreiner zusammenarbeiten und uns so einen Schaukelstuhl oder Kleiderschrank kaufen der für Generationen halten würde, das würde allerdings einiges kosten. Die Kosten zu schlucken ist hart, gerade dann wenn wir wissen, dass wir eine schöne Kopie zum Bruchteil des Preises bekommen würden. Das Problem ist also nicht qualitativ hochwertige Möbel zu finden – sondern die Bereitschaft aufzubringen dafür zu bezahlen. Ich habe also Shelly gefragt ob wir zu den Menschen gehören wollten, die qualitativ hochwertige Möbel kaufen, an denen sich auch noch unsere Enkel freuen – oder ob wir zu denen gehören, die die Qualitätsmöbel ihrer Vorfahren abnutzen und sie durch billige Kopien ersetzen die in unserer Zeit hergestellt werden.

Sind wir bereit dazu Handwerker neuer Glaubensausdrücke zu werden, so dass unsere Nachkommen auf ein reiches Erbe blicken können, und selbst motiviert werden neue, schönere und bedeutendere Ausdrücke für ihre Zeit zu entwickeln?

Eine ähnliche Frage stellt sich auch Glaubensgemeinschaften. Werden wir uns der harten und kostspieligen Arbeit stellen handgefertigten Glauben in unseren Tagen zu leben, oder sind wir damit zufrieden aus dem Erbe unserer Vorfahren zu schöpfen, welches wir mit billigen Imitaten auffrischen? Sind wir bereit dazu Handwerker neuer Glaubensausdrücke zu werden, so dass unsere Nachkommen auf ein reiches Erbe blicken können, und selbst motiviert werden neue, schönere und bedeutendere Ausdrücke für ihre Zeit zu entwickeln?

In diesem Buch geht es hauptsächlich um eine Gemeinschaft und die Praktiken der geistlichen Entwicklung in ihr. Aber die Kreativität, die für ein Leben fantasievollen und experimentellen Glaubens notwendig ist, kann nicht darauf reduziert werden, was wir in unseren Gottesdiensten oder mittwochs beim Abendessen tun. Für diese Art der geistlichen Entwicklung, die in diesem Buch diskutiert wird, ist etwas von zentraler Bedeutung – nicht nur für unsere ›Salomon’s Porch‹ Gemeinschaft, sondern für die Kirche als ganze – die Notwendigkeit theologische Gemeinschaften zu werden.

Die Arbeit der Theologie muss in der ganzen Gemeinschaft geschehen.

Die Arbeit der Theologie muss in der ganzen Gemeinschaft geschehen. Selbstverständlich werden die Gedanken unserer Vorfahren im Glauben Teil dessen sein, was wir tun. Diese jedoch einfach zu übernehmen kommt der Auslagerung des Denkens gleich. Dadurch wird Theologie zu einer starren Philosophie, wo sie doch eigentlich ein aktives Streben danach sein sollte wie wir Gottes Geschichte in unserer Zeit leben. Die Gemeinschaften, die am Besten dafür ausgerüstet sind in unserer Zeit geistliche Entwicklung zu leben, sind diejenigen, die gemeinsam Theologie betreiben. Sie verstehen theologisches Arbeiten als eines der zentralen Elemente ihrer Gemeinschaft. Gemeinsam theologisch zu arbeiten ist ein notweniger Teil des geistlichen Entwicklungsprozesses. Dabei geht es mir nicht darum zu sagen, dass Theologie heute weniger wichtig ist, ich möchte unsere Gemeinschaften viel mehr dazu aufrufen sich an der theologischen Arbeit zu beteiligen.

Wäre es nicht wunderbar, wenn die Aufgabe aller Christen so verstanden würde, dass es nicht nur darum geht die Dinge des Christentums zu glauben, sondern Glaubensausdrücke zu kontextualisieren, zu kreieren, auszudrücken und sie zu leben?

Wäre es nicht wunderbar, wenn die Aufgabe aller Christen – sowohl von denjenigen die sich erst seit kurzem Christen nennen als auch von denen, die als erfahrene Christen bezeichnet werden – so verstanden würde, dass es nicht nur darum geht die Dinge des Christentums zu glauben, sondern Glaubensausdrücke zu kontextualisieren, zu kreieren, auszudrücken und sie zu leben? Die Christen zur Zeit des Neuen Testaments lebten mit der Herausforderung Menschen, die aus nicht-jüdischem Hintergrund kamen dabei zu unterstützen Jesus nachzufolgen. In dieser Weise waren sie herausgefordert, geistliche Entwicklung so zu leben, dass es möglich war, Jesus so nachzufolgen wie es zur jeweiligen kulturellen Situation passte. Ich bin überzeugt davon, dass auch wir Schritt für Schritt über den vorindustrialisierten Zugang zu geistlicher Entwicklung hinauswachsen werden und zu einem Zugang kommen, der besser in unsere Zeit passt.

Wir können nur mit dem Glauben, dass Gott mit uns geht und dass der Heilige Geist uns als Lehrer und Ratgeber zur Seite steht neue Wege finden in denen wir die neuen Dinge Jesu in unserer Zeit tun.

Genauso wie Abraham von Gott in ein neues Land und eine neue Art zu leben gerufen wurde, sind wir eingeladen einen Glauben zu leben, der dem von Abraham ähnlich ist. Und genauso wie er radikal an eine ungewisse Zukunft hingegeben zu sein, für die es nicht genügt neue Wege zu finden um die alten Dinge zu tun – sondern für die neue Wege gefunden werden müssen um die neuen Dinge Jesu in unserer Zeit zu tun. Wir können diese Hingabe nur mit dem Glauben ausführen, dass Gott mit uns geht und dass der Heilige Geist uns als Lehrer und Ratgeber zur Seite steht.

Und nun, wo eine Woche endet und eine neue beginnt, ist es Zeit weiterzugehen.

Unser Gottesdienst endet jeden Sonntag mit einem Segen, den wir einander zu singen, während wir uns vorbereiten unseren Glauben mit in unseren Alltag zu nehmen. Ich möchte einen dieser Segenstexte hier mit euch teilen; es ist ein Lied das wir regelmäßig singen, dass jedoch nicht von uns selbst geschrieben wurde. Vielleicht kennst du es ja schon.

Möge die Straße uns zusammenführen
und der Wind in Deinem Rücken sein.
Sanft falle Regen auf Deine Felder
und warm auf Dein Gesicht der Sonnenschein.
Und bis wir uns wieder sehen,
halte Gott Dich fest in seiner Hand.

Mögest du gesegnet sein auf der Reise deines christlichen Glaubens und Lebens, das geisterfüllt, fantasievoll und in unsere Zeit passend ist.

Der Autor
Doug Pagitt ist Teil von Salomon’s Porch in Minneapolis, Minnesota. Über diese Gemeinschaft hat er das Buch ›Church Reimagined‹ geschrieben, aus dem der vorliegende Artikel stammt. Neben seinem Engagement bei ›Salomon’s Porch‹ ist er auch bei Emergent aktiv.

Theologischer Tag mit Doug Pagitt
Am 19. Mai wird Doug Pagitt zu einem theologischen Tag an der Akademie für Leiterschaft sein. Nähere Infos dazu bitte über das Kontaktformular erfragen.

4 Kommentare.
Der Eintrag wurde am Dienstag, 18. Apr 2006 mit den Tags Emerging Church, Spiritualität, Theologie veröffentlicht. Du kannst einen Kommentar hinterlassen, von Deiner Seite einen Trackback setzen und die Unterhaltung mit folgendem RSS 2.0 Feed verfolgen.

  1. Wow… aus dem Herzen gesprochen kann ich da nur sagen. Mir gefällt der Part “Handwerker für neue Formen sein” sehr gut. Ich wünsche mir, dass wir nicht nur lernen umzudenken, sondern auch Handwerkszeug kreieren, mit dem wir das Gedachte tun können. Wir müssen beides sein “ispirierte Denker” und “handelnde Designer” der neuen Formen des ewig gleichen Inhalts.

  2. Marcus Splitt

    Amen dazu!Zum Artikel wie zm Kommentar

  1. [depone] - 18. Apr. 2006

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