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Buchbesprechung

Heute wurde eine neue, interessante Funktion diesem Blog hinzugefügt: Eine Seite für Buchbesprechungen. Auf dieser Seite werden verschiedene Bücher von unterschiedlichen Personen besprochen, so entsteht eine Vielfalt an Meinungen, die der Leserin einen Einblick gibt, wie das besprochene wahrgenommen werden kann. Die Besprechungen enthalten auch inhaltliche Angaben und Gedanken dazu für wen das Buch inspirierend sein könnte.

Und hier als ersten Vorgeschmack ein Auszug aus der Besprechung von Leonard Sweets ›Aqua Church‹:


Dr. Friedhelm Ernst
Leonard Sweet: Aqua Church

Ich habe das Buch „AquaChurch“ von Leonard Sweet ausgewählt. Als Professor für postmodernes Christentum an der Drew University in Madison, New Jersey, ist der Autor einer der christlichen Gurus für postmoderne Themen. „SoulTsunami“ ist mittlerweile fast ein Klassiker, sofern solche Beständigkeit andeutenden Begriffe angesichts des flüssigen Themas angebracht sind. Überhaupt scheint das Wasser eine Lieblingsmetapher postmoderner Autoren zu sein. Für mich war es interessant, ein Buch mit einem sehr ähnlichen Titel, nämlich „Liquid Church“ parallel zu lesen. Dieses wiederum begründet seine Existenznotwendigkeit stark mit dem Anliegen des Buches „Liquid Modernity“ des englischen Soziologen Zygmunt Bauman . Die Auflösung gesellschaftlicher Normen und Ordnungen, die Bauman beschreibt, kann – so Ward in „Liquid Church“ – nicht ohne Einfluss auf die Art sein, wie Kirche gelebt wird. Vielleicht können einige vergleichende Anmerkungen zu „Liquid Church“ vorneweg helfen, das Anliegen von „AquaChurch“ besser heraus zu arbeiten.

II. Liquid Church und AquaChurch
LC lebt vom Kontrast zu einem Lieblingsfeindbild: der Versammlung aller Mitglieder einer Gemeinde zu einem festen Zeitpunkt, bevorzugt Sonntag vormittags, an einem festen Ort, mit einheitlichem Programm für alle. Soviel Ordnung, Struktur und Einheit-lichkeit kann in der Vielfalt und Schnelllebigkeit des modernen Umfeldes nicht beste-hen. Die Charakteristika der „festen“ Kirche, die er hinterfragt, stellt Ward so dar:
• Teilnahme am Gottesdienst wird mit Treue gleichgesetzt
• Größe misst sich in Mitgliederzahl
• Ein Programm passt für alle („one size fits all“)
• Mitgliedschaft ist wichtig („join the club“)
In einem von ihm selbst zugestandenen Anflug von Zynismus vermutet Ward, dass der wahre Zweck des Gottesdienstes darin besteht, dass die Geistlichkeit in die Lage versetzt wird, die Mitglieder zu zählen.

Die verflüssigte Kirche stellt sich dem gegenüber als ein Netzwerk von Bezie-hungen dar:

„… we need to shift from seeing church as a gathering of people meeting in one place at one time – that is, a congregation – to a notion of church as a se-ries of relationships and communications.“

Dem entsprechend bevorzugt Ward die grammatikalische Form des Verbes, um den “Vorgang” Gemeinde zu beschreiben: „ich gemeinde, du gemeindest…“ Gemeinde wird wesentlich in Beziehungen hinein aufgelöst, nach dem Muster „jedes Treffen und jede Beziehung lässt Gemeinde neu stattfinden“.

Es ist hier nicht der Platz, LC umfassend vorzustellen oder dazu Stellung zu nehmen . Ziel war es, den Hauptgedanken darzustellen. Positive Impulse können aus diesem Ansatz sicher gewonnen werden, wenn es im missionarischen Anliegen darum geht, die tatsächlich oft starren Ränder der Gemeinde in Richtung der Gesell-schaft hin aufzuweichen und über Beziehungen und vielfältige Zugänge in möglichst viele Nischen unserer hoch fragmentierten Gesellschaft das Reich Gottes hinein zu tragen.

Gemeinsam ist den beiden Büchern LC und AC die Beschreibung der post-modernen Kultur als offen, chaotisch, nichtlinear. Feste Ordnungen, die feste Regeln, Vorgehensweisen und Strukturen sinnvoll machen, gibt es nicht. Mit deutlich ande-rem Schwerpunkt als LC stellt AC die Frage nach Leitung im postmodernen Gemein-deleben. Die Metapher für die Moderne ist das Land. Hier kann man sich mit Land-karten orientieren. Die Moderne war strukturierbar, kontrollierbar und vorhersagbar. Institutionen und hierarchische Strukturen gaben einen Ordnungsrahmen vor. Dem-gegenüber wird die Postmoderne mit einem Meer verglichen. Feste Orientierungs-punkte fehlen. Die hohe Dynamik von Veränderungen, das chaotische Systemverhal-ten und nichtlineare, nichtlokale Reaktionen stellen neue Anforderungen an Füh-rungskräfte. Führung wird zu einer Kunst. 11⅓ Disziplinen sind zu erlernen auf dem Weg zu Meisterschaft. In Sweets Bild ist das Meer die „flüssige“ Kultur, die Gemein-de das Boot und der Leiter der Kapitän, der sich im unbekannten und sich ständig verändernden Gewässer orientieren muss.

“If the Modern Era was a rage for order, regulation, stability, singularity, and fixity, the Postmodern Era is a rage for chaos, uncertainty, otherness, opennness, multiplicity, and change. Postmodern surfaces are not landscapes but wavescapes, with the water always changing and the surfaces never the same. The sea knows no boundaries.”

Ward greift in LC diese Beschreibung auf, legt aber auch Wert darauf, sein Bild von dem Sweets abzugrenzen:

“Sweet’s imagery is similar to mine, in that he uses a liquid metaphor to de-scribe the contemporary cultural situation. He is right to pick up on sociological thinking that speaks of contemporary culture as fluid or flexible, but we part company in the metaphor of the boat. This image seems to imply that we can create a church that can float upon the waves and ultimately keep its passen-gers dry. Moreover, saying that we are in new and uncharted waters might lead the church to treat culture as an obstacle to be overcome or a problem to be solved… We need to develop ways of being a church that doesn’t float on water like a boat. To be liquid church means that we are able to combine with water to fluid, changeable, flexible and so on. We need to embrace and inter-nalize the liquid nature of culture rather than to learn to sail through it.”

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Die komplette Buchbesprechung findet sich: hier als PDF

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Der Eintrag wurde am Montag, 10. Jul 2006 mit den Tags Bücher, Emerging Church, Emerging Culture, Leitung, Theologie veröffentlicht. Du kannst einen Kommentar hinterlassen, von Deiner Seite einen Trackback setzen und die Unterhaltung mit folgendem RSS 2.0 Feed verfolgen.

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