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Buchbesprechung: Brewin

Eine Buchbesprechung zu Kester Brewins The Complex Christ: Signs of Emergence in the Urban Church von Dagmar Begemann:

Ausgehend von Fowlers Theorie der verschiedenen Stufen des Glaubens fordert Brewin als Ziel eines Post-Aufklärungs-Bewusstseins einen verbindenden Glauben in einer „Conjunctive Church“, denn sie ist für ihn die einzige Form von Gemeinde, in der Menschen aus allen Glaubensstufen Gemeinschaft und Wachstum erfahren können. Die „Conjunctive Church“ nach Fowler ist das, was Brewin selbst mit dem Terminus „Emergent Church“ bezeichnet. Ihm geht es dabei in erster Linie darum, die Prinzipien der Systemtheorie für den Gemeindebau fruchtbar zu machen.


Das Zentrum der Systemtheorie sieht Brewin im Wechsel von einer Top-Down-Hierarchie der Organisation zu einer Bottom-Up-Struktur im komplexen System der Gemeinde. Dieser Wechsel wird evolutionär vollzogen. Das heißt zunächst, dass eine lange Phase von Veränderung bevorsteht, die damit beginnt, dass Menschen zur Einfachheit zurückkehren und anfangen über die Fundamente ihres komplexen Seins nachzudenken. Das birgt in sich die Gefahr in sich, dass Menschen weggehen, weil sie Besseres finden.

Veränderungen beginnen damit, dass man an einer Situation verzweifelt. Brewin meint, es gäbe keine wirkliche Trauer über den Zustand der Kirche. Über die wahre Situation werde eine Decke der Leugnung gelegt, aber die Fakten sprächen eine so deutliche Sprache, dass es Zeit ist, die Programme zu stoppen und dem wahren Zustand der Gemeinde ins Auge zu blicken.

Die Lage ist so ernst, dass Gott die bestehende, alte Form von Kirche bereits verlassen habe und wir müssen uns auf die Reise ins Neue begeben, um ihn dort wieder zu finden. Aber das fordert von uns, innezuhalten und zu warten, was für Möglichkeiten sich auftun werden.

Für Brewin ist Inkarnation der Archetyp für Veränderungen. Das Ziel der Inkarnation Gottes war, ein Gottesbild, das durch seine eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten im Alten Bund verfälscht wurde und zu einer Krise in der Kommunikation mit den Menschen geführt hat, zu zerstören, indem er das top-down Kommunikationsmodell des AT überwindet und die Dinge evolutionär von unten verändert. Die Gemeinde muss in ihrer Neufindung den gleichen Weg gehen. Sie muss alle Macht loslassen und von neuem geboren werden. Von neuem geboren werden heißt sich schutzlos zu fühlen, auf Versorgung angewiesen zu sein und ein Verständnis für seine Umwelt entwickeln zu müssen.

Die Gemeinde wird als komplexes System wiedergeboren. Brewin stellt im Kapitel „Emergence“ ausführlich dar, was die Systemtheorie über komplexe Systeme sagt und überträgt das anschließend im Kapitel „The Charakter of the Emerent Church“ auf die Gemeinde.

Demnach ist die Emergent Church als offenes System ein Ort mit fließenden Grenzen. Um sich auf ihre Umwelt einzustellen, muss sie in Bewegung sein und Homöostase verhindern. Das macht sie aber auch anpassungsfähig. Gemeinde muss sich sozial und kulturell von ihrer Umwelt abhängig machen, um zu überleben. Tut sie das nicht, wird sie als geschlossenes System absterben.

Kontinuierliche Veränderung eines lernenden Systems passiert dann, wenn die einzelnen Teile eines Systems ihre Arbeit beständig an ihre Umwelt anpassen. Das geschieht über Feed Back Kommunikation. Gemeinde muss auf diese Weise lernen können. Dezentrale Leiterschaft wird dabei zum Schlüssel. Eine allwissende Zentrale kann in komplexen Systemen nicht mehr existieren. So verändert sich auch die Einstellung zu Wahrheit, sie wird zu einem Shareprojekt, zu dem jeder seine Sichtweise beitragen kann und das über Feed Back und Moderation gesteuert wird.
Die Emergent Church ist für Brewin eine Möglichkeit der konsequenten Umsetzung des Prinzips der dienenden Leiterschaft, das sie nicht mehr dazu da sind, die Veränderungen zu formulieren und anderen mitzuteilen, sondern ein Umfeld zu schaffen, in dem Veränderung natürlich von unten her passiert.

In dem Kapitel „Christ in the City“ will Brewin Mut machen, sich als Gemeinde den Herausforderungen der Großstadt zu stellen, denn sie allein kann der Prüfstein für die Glaubwürdigkeit und Lebensfähigkeit der Gemeinde sein.
Im folgenden Kapitel „Gift“ erläutert Brewin, warum es für die Emergent Church wichtig ist eine andere Einstellung zu den Gaben zu bekommen. Die Gabenlehre wurde bisher instrumentalisiert und beschränkt auf Gaben die nützliche für die Gemeinde waren. Gaben die nicht „geistlich“ waren, blieben dabei auf der Strecke. Auch hier müssen konsequent die Grenzen zwischen Welt und Gemeinde fallen. Gemeinden müssen alles was sie von ihrem Schöpfer empfangen haben mit der gesamten menschlichen Gemeinschaft teilen.

Im letzten Kapitel „Dirt“ fordert Brewin den Leser auf, seine Definitionen von „unrein“ noch einmal zu überdenken, indem er ihm vor Augen hält, dass Jesus auch die bestehenden Werte seiner Kultur an diesem Punkt auf den Kopf gestellt hat. Gemeinde sollte der Ort sein, an dem Unreines sein kann, um rein zu werden, und nicht wohin Reines vor dem Schmutz der Welt hinflieht.

Sein Schlusswort gibt noch einmal eine Zusammenfassung und eine Aufruf auch in Zeiten der Ungewissheit auf Gott und seinen Weg zu vertrauen.

Das Buch
Kester Brewin, The Complex Christ: Signs of Emergence in the Urban Church. London: SPCK, 2004.

Kester Brewin bloggt hier.

Die Autorin der Buchbesprechung
Dagmar Begemann, ist 32 und verheiratet. Sie wohnt bei Lemgo auf einem Bauernhof und ist dort Teil einer Lebensgemeinschaft. Sie studiert an der Akademie für Leiterschaft und setzt sich aktiv für die Entwicklung neuer Gemeinden ein. Um mehr über sie herauszufinden kannst du ihr Blog besuchen.

Download:
Im Bücherbereich findet sich die komplette Buchbesprechung als PDF.

2 Kommentare.
Der Eintrag wurde am Donnerstag, 26. Jul 2007 mit den Tags Bücher, Emerging Church, Leitung, Philosophie, Theologie veröffentlicht. Du kannst einen Kommentar hinterlassen, von Deiner Seite einen Trackback setzen und die Unterhaltung mit folgendem RSS 2.0 Feed verfolgen.

  1. Es wäre vielleicht nicht schlecht, bei einer Buchbesprechung mal den Titel und den vollständigen Namen des Autors zu nennen… oder habe ich da was übersehen? ahem.

  2. depone

    Danke für den Hinweis Onkel Toby. Das war mir entgangen etwas zu Kester und dem Buchtitel in diesen Eintrag zu kopieren – in der kompletten Besprechung finden sich natürlich die korrekten Angaben. Hiermit bitte ich auch um Entschuldigung für das Versäumnis.

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